In Leogang haben sie den Berg aufgegraben. In Saalbach sind sie ihn runtergefahren. Genau das ist die Kurzfassung einer Geschichte, die vom ärmsten Fleck des Salzburger Landes bis zum Home of Lässig reicht, dem größten Bike-Revier Österreichs. In unserer neuen #MTBlife Folge fahren wir mitten hindurch. Hier bekommst du den ganzen Überblick, auch über das, was im Video keinen Platz hatte.

Eine Geschichte, die eigentlich unsere Geschichte ist
Saalbach ist uralt, die erste Besiedlung ist für 1222 belegt, der Name Salpach taucht um 1350 auf und kommt schlicht vom Bach im Tal. Die Menschen hier hatten es brutal schwer: steile Hänge, hohe Lage, ständige Unwetter. Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes ging komplett am Glemmtal vorbei.
Man hat es sogar mit dem Bergbau versucht, wie drüben in Leogang. Es gibt alte Stollen am Gamshag und oberhalb der Pfefferalm, geschürft wurde nach Kupferkies. Aber anders als in Leogang und im nahen Viehhofen war das Graben in Saalbach von keinem großen Erfolg gekrönt. Um 1707 herum erlosch der Bergbau in der Glemm ganz. Der Berg hat hier nie hergegeben, was in ihm steckte.
Wie arm das Tal war, zeigt eine fast unglaubliche Anekdote: 1906 lehnte die Gemeinde die Aufnahme in ein Münchner Reisealbum ab, mit der Begründung, wegen der herrschenden Armut bestehe kein Interesse daran, dass Fremde herkommen. Ein Dorf, das so arm war, dass es nicht einmal Werbung für sich wollte.
Der Wendepunkt kam nicht aus dem Boden, sondern über ein Sportgerät. 1898 kehrte der gebürtige Saalbacher Josef Wallner aus Mürzzuschlag heim, einer der Geburtsstätten des Skilaufs in Österreich. Im Gepäck: seine Frau, seine siebzehn Kinder und ein Paar Ski. Aus dem vergessenen Bauerndorf wurde ein weltbekannter Ort. Zweimal war Saalbach danach Gastgeber der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften, 1991 und wieder 2025. Der Ort, der 1906 keine Gäste wollte, empfing zuletzt rund 175.000 Fans im Tal.
Und im Sommer läuft genau dasselbe Prinzip weiter, nur auf zwei Rädern statt zwei Brettern. Reich wurde Saalbach nicht durch das, was im Berg drin war, sondern durch die Freude, ihn runterzufahren. Deshalb steht auf allem hier ein Wort: Home of Lässig.
Die größte Bike-Region Österreichs
Saalbach Hinterglemm ist heute der Kern von Österreichs größter Bike-Region. Zusammen mit dem Epic Bikepark Leogang und der 2021 dazugekommenen Bike Area Streuböden in Fieberbrunn ergibt das einen Verbund, in dem bis zu neun Bergbahnen dein Bike transportieren, dazu über 80 Kilometer Lines und Trails und hunderte Kilometer Touren- und Gravelrouten. Der größte Höhenunterschied eines einzelnen Trails liegt bei 1.025 Höhenmetern.
Das Entscheidende, und das merkst du in der Folge sofort: Das hier ist kein reines All-Mountain-Gebiet. Das Terrain liebt Enduro, Freeride und Downhill. Wer runter will, ist hier goldrichtig.
Die Signature-Trails
Der Hacklbergtrail gilt als einer der ältesten und schönsten Naturtrails der ganzen Alpen, der Inbegriff eines flowigen Singletrails. Behutsam ausgebaut, aber ohne seinen Charakter zu verlieren. Wer ihn fährt, fährt ein Stück Alpen-MTB-Geschichte, denn Saalbach hat schon vor über zwanzig Jahren das Mountainbiken als Vordenker in die Alpen gebracht. Du erreichst ihn über den Schattberg X-Press, ein kurzes Stück oberer X-Line und dann den Schattberg Sprinter hinauf zum Westgipfel.
Die X-Line am Schattberg ist das andere Extrem: schwarz, über sechs Kilometer, mehr als tausend Höhenmeter am Stück und damit eine der längsten Downhill- und Freeride-Strecken Europas. Verblockte Passagen, Wurzelteppiche, North Shore. Für erfahrene Fahrer mit 160 Millimeter Federweg und DH- oder Enduro-Geometrie.
Dazwischen liegt ein ganzer Baukasten an roten Lines, auf denen der Spaß pur ist: die fAIRy-Line, die einen förmlich in sich hineinzieht, die brandneue Bearly Legal als style-lastige Alternative zur schwarzen X-Line, die aussichtsreiche Sheepy Hollow hinüber Richtung Schattberg, der sanfte Buchegg Trail Richtung Zwölferkogel und der technische Bergstadl Trail als anspruchsvolle Schwester des Hacklberg. Für die harten Downhiller gibt es zusätzlich die Pro Line mit dem integrierten Evil Eye Trail.

Die BIG-5 Bike Challenge
Wer alles will, nimmt die BIG-5 Bike Challenge: fünf Berge, sechs Seilbahnen und rund 5.000 Tiefenmeter an einem einzigen Tag, größtenteils per Lift, nur wenige Höhenmeter aus eigener Kraft. Plan dafür wirklich einen ganzen Tag ein und achte auf die Betriebszeiten der Bahnen. Wichtig für 2026: Die Reiterkogelbahn wird im Sommer 2026 neu gebaut, deshalb fehlt dieser Berg in der Saison 2026 in der Tour. Du rollst dann einfach über den Talradweg von Hinterglemm nach Saalbach weiter. Ab 2027 kommt eine moderne Reiterkogelbahn mit direkter Auffahrt bis zum Gipfel.
Auch für Einsteiger: Work your way up
Und jetzt kommt der Teil, der in der Folge zwischen all den Trails fast untergeht, aber gerade für Wiedereinsteiger und Anfänger wichtig ist. Saalbach ist nicht nur Gnadenlos-Gravity. Das Motto hier heißt ausdrücklich, arbeite dich hoch. Am Fuß der Kohlmaisbahn liegt ein Learn to Ride Park, dazu gibt es Pumptracks und Fahrtechnikgelände. Zum Reinkommen eignen sich die Panorama-Line und die Monti-Line am Kohlmais, die 12er Sky-Line am Zwölferkogel oder die Buchegg-Line am Westgipfel. Du fängst klein an und steigerst dich Trail für Trail. Genau so soll es sein.
Neu 2026
Für die Saison 2026 entstehen auf der Schönleiten neue Strecken, die ScheeLeitn Line und die Wildenkaramba Line. 2026 zunächst als Enduro- und E-MTB-Variante fahrbar, der zugehörige Lift folgt ab 2027. Das Gebiet baut also gerade sichtbar an seiner Zukunft.
Preise, Tickets und Anreise
Die reguläre Bike-Tageskarte liegt bei rund 66 Euro, mit der JokerCard bekommst du 20 Prozent Preisvorteil auf alle Bike-Tickets und, wenn du in einem JokerCard-Partnerbetrieb schläfst, zwei Biketransporte pro Tag inklusive. Für Vielfahrer über Ländergrenzen hinweg gibt es die Gravity Card mit Zugang zu 32 Bikeparks in sieben Ländern. Die Bike-Saison läuft grob von Ende Mai bis Ende Oktober, die Lifte öffnen meist gegen 9:00 Uhr und schließen je nach Bahn zwischen 16:15 und 16:30 Uhr. Prüf vor der Anreise immer die aktuellen Betriebszeiten, die einzelnen Bahnen haben unterschiedliche Öffnungstage.
Anreise mit dem Auto über die A10 und die B311, große kostenpflichtige Parkflächen liegen an allen Talstationen. Ohne Auto fährst du mit der ÖBB nach Zell am See und weiter mit dem Bus 260 ins Tal. Die nächsten Flughäfen sind Salzburg, München und Innsbruck. Bikes leihen und Service bekommst du bei mehreren Shops im Ort.
Mehr als nur Bike
Wer nicht rund um die Uhr im Sattel sitzt, findet hier trotzdem genug. Über die Gipfel führen große Weitwanderwege wie die Seven Summits und der Home of Lässig Walk, dazu Gipfelspielplätze und der Pinzgauer Spaziergang. Familien haben mit Berg Kodok, Montelinos Erlebnisweg, dem Käpt’n Hook Erlebnisfreibad, dem Talschlusszug und dem Baumzipfelweg mit der Hängebrücke Golden Gate der Alpen im Talschluss reichlich Programm. Und im Winter zeigt sich das andere Gesicht des Tals: der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn zählt zu den größten Skigebieten Österreichs, zweifacher Austragungsort der Ski-WM. Dasselbe Erbe, das den Ort einst gerettet hat.
Saalbach ist der Beweis, dass Sport ein ganzes Tal neu erfinden kann. Und genau das macht es auch heute noch, Abfahrt für Abfahrt. In unserer #MTBlife Folge S04E19 nehmen wir dich mit auf genau diese Reise, mit allen Höhen, ein paar Tiefen und dem einen Gefühl, das der Berg hier schenkt: wieder wie neu geboren.
Real Ride. Real Talk. Real Life.
Published by Radical Life Studios / MTB Report

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