Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report


Der Zweckverband am Lac Blanc übernimmt den Sommerbetrieb künftig selbst. Das ist eine gute Nachricht für jeden, der die Vogesen im Kalender hat. Aber sie ist kleiner, als sie gerade klingt. Und ausgerechnet dieser Unterschied ist die eigentliche Geschichte.

von Robert Langer

Am Abend des 9. September hat das Komitee des Syndicat mixte d’aménagement de la station du Lac Blanc, kurz Smalb, die Gründung einer Regie beschlossen. Innerhalb weniger Stunden stand in der Bike-Berichterstattung: Bikepark gerettet. Zehn Wochen zuvor hatte dieselbe Ausgangslage zu Überschriften wie „vor dem Aus“ und „letzte Saison“ geführt.

Beides schiesst über das hinaus, was tatsächlich auf dem Tisch lag. Und weil der Lac Blanc für Fahrer aus Süddeutschland, der Nordwestschweiz und den Benelux-Ländern eines der am schnellsten erreichbaren Lift-Ziele überhaupt ist, lohnt sich der genaue Blick.

Was tatsächlich beschlossen wurde

Eine Regie ist eine Eigenbetriebsform. Statt die Anlagen an ein Unternehmen zu verpachten, führt der Zweckverband sie künftig selbst. Damit endet zugleich der Vertrag mit dem bisherigen Konzessionär Lac Blanc Tonique.

Entscheidend für Biker ist der Sessellift. Er bringt Fahrer und Räder hoch zum Col du Calvaire. Ohne ihn gäbe es keinen liftgestützten Bikepark. Genau diese Infrastruktur bleibt in Betrieb. Der Eigenbetrieb bezieht sich ausdrücklich auf den Sommer- und Bikebetrieb, nicht auf den alpinen Skibetrieb.

Neun der 13 Beschäftigten des bisherigen Betreibers, jene also, die dem Bikebetrieb zugeordnet sind, werden nach übereinstimmenden Berichten der Regionalpresse in die neue kommunale Struktur übernommen. Für die Betroffenen endet damit ein Sommer der Ungewissheit.

BESCHLOSSEN
• Gründung einer Regie am 9. September 2026
• Vertrag mit dem bisherigen Konzessionär endet
• Sommer- und Bikebetrieb bleiben, Sessellift läuft weiter
• Neun von 13 Stellen bleiben erhaltenKein Skibetrieb im • Winter 2026/27
• Laufende Saison bis 31. Oktober 2026
OFFEN
• Satzung der Regie – kommt erst im Oktober
• Saisonstart 2027
• Tarife
• Umfang des Streckenangebots
• Ob der Lift wieder von April bis Oktober läuft
• Zukunft des Skibetriebs über 2026/27 hinaus

Warum die Konzession ohnehin auslief

Der öffentliche Dienstleistungsvertrag, in Frankreich eine Délégation de service public (DSP), lief zum 31. Oktober aus. Das war kein Drama, sondern ein Termin im Kalender. Drei Wege standen zur Wahl: eine Neuausschreibung, die komplette Stilllegung der Bergbahnen oder der Eigenbetrieb.

Nach Darstellung der Tageszeitung L’Alsace hielt der Verband eine Neuausschreibung nicht für sinnvoll und verwarf die Stilllegung. Smalb-Präsidentin Émilie Elderlé erklärte demnach, die Entscheidung zur Beendigung des Vertrags sei bereits am 1. Juli gefallen. Öffentlich gemacht wurde sie erst jetzt. Die Zeitung beschreibt den Schritt als einseitige Entscheidung des Verbands.

Als Druckfaktor wird in diesem Zusammenhang eine Prüfung der französischen Finanzkontrolle genannt, die die Vertragsklauseln als zu ungünstig für die öffentliche Hand bewertet haben soll. Hier ist Vorsicht angebracht: Ein öffentlich zugänglicher Prüfbericht zum Smalb liegt nicht vor. Zuständig wäre für einen Zweckverband dieser Grösse regulär die regionale Rechnungsprüfungskammer Grand Est, nicht der nationale Rechnungshof. Solange kein Bericht auf dem Tisch liegt, bleibt dieser Punkt Presselage, nicht Beleg.

Ein auslaufender Vertrag ist kein Todesurteil. Und keine Rettung.

Die Petition: Was sie geleistet hat, und was nicht

Am 4. Juli startete ein 16-jähriger Fahrer aus der Region eine Online-Petition gegen die Schliessung des Bike Parks. Sie kam auf 26.503 Unterschriften und ist auf der Plattform inzwischen als Erfolg markiert.

An dieser Stelle wird es unsauber. Denn aus „Petition läuft“ und „Bikepark bleibt“ wird schnell „Petition rettet Bikepark“. Belegbar ist das nicht. Die dokumentierte Entscheidungslinie verläuft über ein auslaufendes Vertragsverhältnis, drei verwaltungsrechtliche Optionen und eine Weichenstellung, die intern offenbar bereits Anfang Juli getroffen wurde. Anders als offizielle französische Bürgerpetitionen mit fester Unterschriftenschwelle ist eine solche Online-Kampagne rechtlich ohnehin nicht bindend.

Das schmälert die Leistung nicht. 26.500 Unterschriften erzeugen Sichtbarkeit und politische Kosten. Sie sorgen dafür, dass eine stille Abwicklung teuer wird. Wer das erreicht, hat etwas erreicht, auch ohne dass man ihm einen Beschluss zuschreiben muss, der ihm nicht gehört. Ehrlichkeit ist hier kein Abzug, sondern Respekt.

Wer nichts erfährt, sind die Fahrer

Ein Detail, das in der ganzen Aufregung untergeht: Auf dem offiziellen Presseportal der Station steht zu alldem nichts. Der letzte dort veröffentlichte Communiqué stammt vom 7. Juni. Weder das Lift-Aus vom Juli noch die Regie-Gründung vom September haben es auf den eigenen Kanal geschafft. Beide Entscheidungen liefen ausschliesslich über die Regionalpresse.

Das ist mehr als eine Formalie. Die Station selbst bietet ihre Inhalte auf Französisch, Englisch, Deutsch und Niederländisch an. Sie weiss also genau, woher ihr Publikum kommt. Ein Zweckverband entscheidet zweimal binnen zehn Wochen über die Zukunft dieses Standorts und informiert die auswärtigen Gäste, die ihn tragen, auf dem eigenen Kanal nicht. Belastbare öffentliche Zahlen zur Frequenz des Bike Parks fehlen im Übrigen ebenfalls.

Ski ist vertagt, nicht entschieden

Fest steht: Im Winter 2026/27 bleiben die Pisten zu. Darüber hinaus nehmen sich die Gewählten ausdrücklich Bedenkzeit. Im Juli wurde das teilweise bereits als endgültiges Aus für den alpinen Skibetrieb gemeldet. Auch das war eine Nummer zu gross.

Der Hintergrund ist derselbe wie in vielen Mittelgebirgslagen: sinkende Schneesicherheit, weniger Tage mit tragfähiger Schneedecke, ein Modell, das historisch am alpinen Skibetrieb hing. Der Verband spricht davon, den Standort in einem weniger schneeabhängigen Modell weiterzuentwickeln. Was das konkret heisst, steht bislang nirgends.

Was das für Deine Planung heisst

  • Die laufende Saison läuft normal aus: freitags, samstags und sonntags bis einschliesslich 31. Oktober 2026.
  • Der Bikebetrieb unter kommunaler Regie soll im kommenden Jahr wieder starten. Wann genau, ist offen.
  • Wer 2027 fest einplant, wartet die Satzung im Oktober ab. Vorher sind Saisonzeiten und Tarife Spekulation.
  • Der Bike Park hat in diesem Jahr seine 20. Saison gefeiert. Er verschwindet nicht von der Landkarte.

Und jetzt die eigentliche Nachricht

Eine Kommune nimmt einen Bikepark in Eigenregie, weil der Winter ihn nicht mehr trägt. Das ist die Umkehrung des Musters, das wir sonst beschreiben. Normalerweise berichten wir über Sperrungen, entzogene Duldungen und Trails, die verschwinden, weil sich niemand zuständig fühlt. Hier macht sich eine Verwaltung zuständig: für den Sommer, für Räder, für einen Lift, der Biker den Berg hochbringt.

Bauen schlägt Verbieten, in der kommunalpolitischen Variante. Ob daraus ein Modell für ehemalige Skigebiete wird oder nur ein Übergang, bis jemand anders übernimmt, entscheidet sich nicht an dieser Sitzung. Es entscheidet sich an der Satzung im Oktober und an der Saison 2027.

Zwischen „vor dem Aus“ und „gerettet“ liegt meistens die Wirklichkeit.

Wir bleiben dran und melden uns, sobald die Satzung vorliegt.


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