VERÖFFENTLICHT VON DEN RADICAL LIFE STUDIOS / MTB REPORT
Bei der Bosch eMTB Challenge in Whistler ging es Mitte August an der Startlinie durcheinander und dahinter steckt eine Frage, die weit über ein einzelnes Rennen hinausreicht: Wie viel Motor darf ein E-Mountainbike im Wettkampf eigentlich haben? Die kurze Antwort der UCI lautet 750 Watt. Und die sorgt gerade für mächtig Zündstoff.
Worum es geht
Seit 2026 gilt für alle UCI-Rennen ein neues Zulassungsverfahren für E-MTB-Motoren, die sogenannte EPAC-Homologation. Die zentrale Grenze: maximal 750 Watt mechanische Leistung am Hinterrad. Getestet und freigegeben sind bislang genau sieben Antriebe, Aksoll, Avinox, Bosch, Polini, Shimano, Specialized und SRAM. Wer nicht auf der Liste steht, fährt nicht.
Der Haken für Avinox
Und hier wird es pikant. Der Avinox-Antrieb von DJI ist der Senkrechtstarter der letzten zwei Jahre. Die aktuelle M2S-Version leistet satte 1.500 Watt Spitzenleistung und 150 Nm Drehmoment, das ist doppelt so viel, wie das UCI-Limit erlaubt. Um überhaupt starten zu dürfen, hat Avinox eine eigene Rennversion geschaffen: die M2S Race750, per Software auf 750 Watt gedrosselt. Kein Umbau, nur eine Firmware-Bremse. Erst damit steht der Motor auf der UCI-Liste. Vorher, etwa bei der WM 2025 im Wallis, war Avinox außen vor.
| Avinox baut einen 1.500-Watt-Motor – und muss ihn per Software halbieren, um überhaupt starten zu dürfen. |
Warum ausgerechnet Bosch das Rennen ausrichtet
Der zweite Teil der Geschichte ist der eigentlich spannende. Die Serie heißt Bosch eMTB Challenge, ausgerichtet vom Platzhirschen des Marktes. Und Bosch trifft die 750-Watt-Grenze mit seiner aktuellen Performance Line CX-R fast punktgenau. Der Newcomer muss also kräftig zurückstecken, während der etablierte Anbieter zufällig genau auf der Linie sitzt, die zur Regel geworden ist. Man muss kein Zyniker sein, um da eine gewisse Ironie zu erkennen.
Dass in Whistler dann auch noch die Ausschreibung uneindeutig war, die Event-Seite nannte schlicht „750 Watt“, der Regel-Button verwies auf die kompliziertere UCI-Liste –, machte das Durcheinander perfekt. An der Startlinie wurde teils erst geklärt, wer überhaupt gewertet fährt.
Was das für dich als Normalfahrer heißt
Jetzt die Entwarnung, und die ist wichtig: Wenn du ein Avinox-Bike für den Hometrail fährst, ändert sich für dich, nichts. Die Drosselung betrifft ausschließlich den Rennbetrieb. Dein Serienmotor bleibt, wie er ist. Die 750-Watt-Grenze ist eine Wettkampfregel, keine Vorschrift fürs Trailbike.
Trotzdem lohnt der Blick aufs große Ganze. „Mehr Bike, weniger Moped“ ist bei uns nicht nur ein Spruch. Wenn der Leistungswettlauf immer weiter dreht – 1.000, 1.500, irgendwann 2.000 Watt? –, geraten früher oder später auch Wegehalter, Behörden und die Trail-Zugänge ins Blickfeld. Die UCI-Grenze ist da fast ein wohltuender Gegenpol: eine Ansage, dass irgendwann auch mal gut ist mit immer mehr.
Die Community ist gespalten
In den Foren geht die Debatte quer durch alle Lager. Die einen tippen darauf, dass ein gedrosseltes Avinox-Bike trotzdem gewinnt, so gut sei die Abstimmung. Andere finden das ganze E-Racing ohnehin ein von der Industrie erfundenes Format, nach dem niemand gefragt habe. Und wieder andere bringen den nüchternen Punkt: Wenn der beste Antrieb der Welt auch gedrosselt noch der beste ist, spricht wenig gegen ein vernünftiges Limit.
Wie es weitergeht, ist offen, vor allem die Frage, ob künftig auch andere Hersteller mit „Renn-Tune“ und „Verkaufs-Tune“ antreten.
17. August 2026 · MTB Report
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