Im Oktober hat sich bei den großen Laufrädern binnen zwei Wochen mehr getan als in den Monaten davor: Van Rysel bringt ein 32-Zoll-Fully für den Weltcup, Continental zeigt seinen ersten 32-Zoll-Reifen, und Cube schickt bei der Enduro-WM ein 30,5-Zoll-Vorderrad ins Rennen. Was heißt das für alle, die gerade ein neues Bike kaufen wollen?

von Robert Langer

Fortsetzung: Dieser Artikel knüpft an unseren Beitrag „32 Zoll: Muss ich jetzt Angst um mein neues Bike haben?“ an.

Im September ging es bei uns um die ersten 32-Zoll-Gravelreifen von Schwalbe und um die Frage, ob ein frisch gekauftes Bike damit schon alt aussieht. Seitdem ist die Lage nicht ruhiger geworden, aber deutlich klarer. Die neuen Meldungen zeigen vor allem eines: Die großen Laufräder kommen nicht überall gleichzeitig. Im Cross-Country (XC) und beim Gravel wird es konkret, im Gravity-Bereich, also bei Enduro, Trail und Bikepark, bleibt es beim Experiment.

30,5 Zoll: Ein Vorderrad bei der Enduro-WM

Bei der Enduro-Weltmeisterschaft in Finale Ligure stand Zakarias Johansen vom Cube Action Team mit einem Setup am Start, das es so noch nicht gab: ein modifiziertes Cube Fritzz mit 30,5-Zoll-Vorderrad und 29-Zoll-Hinterrad. Laut Berichten war er der einzige Starter mit dieser Kombination.

Die Idee dahinter beschreibt das Team selbst: Laut Cube Action Team ist das 30,5-Zoll-Rad auf Geraden schneller als ein 29er und in engen Kurven handlicher als ein 32er. Das ist die Einschätzung des Teams, keine unabhängige Messung.

Verbaut waren ein Prototyp-Reifen von Schwalbe und Felgen von Newmen. Die Fox-Podium-Gabel wurde in Setup und Federweg an das größere Rad angepasst. Viel Vorlauf gab es nicht: Die ersten Prototypen kamen erst kurz vor der WM beim Team an.

Johansen wurde 17., rund anderthalb Minuten hinter Weltmeister Ryan Gilchrist. Er selbst lobte das größere Vorderrad vor allem auf den langen, ruppigen Stages.

Wie es weitergeht, ist zumindest teamintern klar: Über den Winter soll das gesamte Cube Action Team mit 30,5-Zoll-Vorderrädern ausgestattet werden. Ob die Größe auch in Serie geht, sagt Cube bislang nicht. Und 32 Zoll im Enduro? Im Gravity-Bereich ist das nach aktuellem Stand noch kein Thema.

32 Zoll: Im Cross-Country wird es ernst

Anders sieht es im XC aus. Van Rysel, die Sportmarke von Decathlon, steigt mit einem 32-Zoll-Fully in den Mountainbike-Sport ein. Das RCR-XC soll ab 2027 beim Team Decathlon Ford im Weltcup laufen, unter anderem mit Luca Martin.

Die Eckdaten laut Hersteller: 130 mm Federweg vorne, und der Rahmen ist in Größe M 230 g leichter als das 29-Zoll-Teamrad von 2026. Preis und Verfügbarkeit sind noch nicht bekannt. Zuerst kommt das Rad im Profi-Einsatz.

Spannend ist die Gabelfrage. Bislang hatten weder RockShox noch Fox eine 32-Zoll-Federgabel vorgestellt. Die meisten 32-Zoll-Prototypen fahren deshalb mit der Intend Samurai XC, der ersten Seriengabel für diese Größe. Van Rysel nennt RockShox als Entwicklungspartner. Was daraus für den Handel folgt, ist offen.

Die großen Laufräder kommen nicht überall gleichzeitig. Im XC und Gravel wird es konkret, im Enduro bleibt es beim Experiment.

Die Reifen kommen im April 2027

Auch bei den Reifen bewegt sich etwas. Continental hat am 16. Oktober seinen ersten 32-Zoll-Reifen gezeigt: den Dubnital Race Rapid für XC und Gravel, erhältlich ab April 2027. Breite, Gewicht und Preis hat Continental noch nicht genannt.

Schwalbe peilt denselben Monat an: Die ersten 32-Zoll-Gravelreifen, G-One RS Pro und G-One RX Pro, kommen ebenfalls im April 2027. Damit gibt es zumindest bei den Reifen einen gemeinsamen Startpunkt.

In der Szene ist die Stimmung gemischt. Unter den Berichten zum 30,5-Zoll-Rad überwiegt die Skepsis, einige Fahrer wünschen sich schlicht eine Pause bei neuen Größen. Andere fragen sachlich, woher die neue Zwischengröße überhaupt kommt.

Was noch offen ist

  • Ob 30,5 Zoll ein Serienstandard wird: offen.
  • Preise und Termine für 32-Zoll-Komplettbikes im Handel: offen.
  • 32-Zoll-Federgabeln von Fox oder RockShox: bislang nicht angekündigt (Stand der vorliegenden Quellen).
  • Breite, Gewicht und Preis des Continental Dubnital Race Rapid: noch nicht genannt.

Muss ich jetzt warten? Der Überblick nach Fahrertyp

Enduro, Trail, Bikepark: 30,5 Zoll ist ein Rennprototyp, 32 Zoll im Gravity-Bereich noch kein Thema. Wer jetzt ein Bike für diese Einsätze sucht, hat keinen Grund, den Kauf aufzuschieben.

XC-Rennen und Gravel: Hier bewegt sich etwas. Reifen kommen ab April 2027, Komplettbikes für Endkunden sind preislich und zeitlich aber noch offen. Wer ohnehin erst 2027 kaufen will, kann die Entwicklung in Ruhe beobachten. Wer jetzt ein Rad braucht, sollte sich nicht von Prototypen und Ankündigungen treiben lassen, für die es noch keinen Preis und keinen Liefertermin gibt.

Nachrüsten am vorhandenen Bike: Kein Thema. Größere Laufräder brauchen passende Rahmen, Gabeln und Laufräder, ein Umbau des bestehenden Bikes ist nicht vorgesehen.

Lohnt sich das Warten?

Warum kommen die großen Räder zuerst im XC und Gravel an? Die Fakten zeichnen den Weg vor: Dort gibt es ein Weltcup-Projekt mit Van Rysel, eine erste Seriengabel und Reifen von zwei großen Herstellern mit festem Termin. Im Enduro gibt es ein einzelnes Vorderrad, Prototypen, die erst kurz vor dem Rennen fertig waren, und keine Aussage zur Serie.

Ob ein 32-Zoll-Bike seinen Preis wert ist, lässt sich erst sagen, wenn es einen Preis hat. Bis dahin gilt: Kaufentscheidungen nach dem treffen, was heute verfügbar ist, nicht nach dem, was angekündigt wurde.

Kurzurteil

  • Geht auf für Enduro-, Trail- und Bikepark-Fahrer: Jetzt kaufen ist kein Fehler.
  • Offene Frage: Wann und zu welchem Preis kommen 32-Zoll-Komplettbikes für XC und Gravel in den Handel?

Wartest du auf 32 Zoll oder kaufst du jetzt? Schreib es uns in die Kommentare unter dem YouTube-Video zu diesem Artikel.

Published by Radical Life Studios / MTB Report


Bisher gibt es keine Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert