Im UCI-Kalender steht es schwarz auf weiß: 4. bis 6. September 2026, Stuttgart. Was wie ein Aprilscherz klingt, ist längst politische Realität. Fehlt nur noch das letzte Wort. Und das letzte Wort – das kennen wir in Stuttgart.
Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report
Das berühmte Urban-Downhill-Rennen Red Bull Cerro Abajo könnte im September 2026 erstmals in Stuttgart stattfinden, die Pläne verdichten sich. Was Valparaíso kann, Genua kann und Guanajuato kann, soll jetzt auch die Hauptstadt des Schwäbischen können. Der Kessel als Rennstrecke. Mountainbiker mit Vollgas durch die Stadt. Treppen, Rampen, Asphalt.
Moment mal. Ist das nicht dieselbe Stadt, die Mountainbikern auf öffentlichen Wegen exakt zwei Meter Breite gönnt – und das als großzügige Regelung versteht? Dieselbe Stadt, in der der MTB-Trail-Meter länger diskutiert wird als manches Bundesgesetz? Ja. Genau die.
Willkommen in Stuttgart. Wo Logik optional ist und der Kessel plötzlich zur Weltbühne werden soll.
Die Strecke steht – auf dem Papier
Die Startrampe soll auf der Aussichtsplattform vor dem Teehaus im Weißenburgpark installiert werden. Vorbei am Teehaus geht es dann über Treppen, Wege und Rampen weiter durch den Park Richtung Hohenheimer Straße. Durch die Bopseranlage, den Carola-Blume-Weg, den Mozartplatz im Heusteigviertel bis zum Zieleinlauf auf dem Wilhelmsplatz.
Insgesamt wäre die Strecke etwa 1,3 Kilometer lang und böte einen Höhenunterschied von rund 150 Metern. Rund anderthalb Minuten Vollgas. Treppen, Kurven, Obstacles. Alles natürlich deutlich breiter als zwei Meter – aber das erwähnen wir lieber nicht zu laut im Rathaus.
Der Veranstalter spricht von einer „einzigartigen Strecke durch urbanen Raum mit markanten Spots und starkem Storytelling-Potenzial“ sowie einer „optimalen Zuschauersituation“. Auf Deutsch: Es wird episch. Und die ganze Welt soll zuschauen, zumindest die Teile, die noch nicht wissen, wo Stuttgart liegt.
Was auf dem Spiel steht
Die aktuelle Cerro-Abajo-Saison 2025/26 ist bereits in vollem Gang; Genua im August 2025, Valparaíso im Februar 2026. In den vergangenen Jahren habe die Eventserie laut Veranstalterangaben über eine Milliarde Wahrnehmungen erzielt.
Eine Milliarde. Für eine Stadt, die beim Thema Mountainbiken jahrzehntelang eher mit Verbotsschildern als mit Aufmerksamkeit geglänzt hat, ist das eine Zahl, die selbst hartgesottene Verwaltungsbeamte kurz innehalten lässt. Genova erlebte bei seiner Premiere über 35.000 Fans an der Strecke und das in einer Stadt, die bis dahin nicht gerade als Mekka des Urbanen Downhills bekannt war. Stuttgart hätte mit dem Kessel eine natürliche Kulisse, die Genua in Sachen Dramatik locker überbietet.
Das Beste daran: Die Stadt trägt keine Kosten, diese werden vollständig vom Veranstalter übernommen. Weltmarketing. Gratis. In Zeiten eines Sparhaushalts eigentlich das Traumangebot. Man muss es nur annehmen.
Politik: Fast alle wollen, die Ämter prüfen noch
Am Gemeinderat wird die Veranstaltung jedenfalls nicht scheitern. Die Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat sind von der Idee ganz überwiegend begeistert. Für die CDU wäre es ein Gewinn für Stuttgart. Florian Pitschel von den Grünen bringt es schlicht auf den Punkt: „Wir haben da Bock drauf.“
Was noch fehlt: die Fachämter. Die Stadtverwaltung befindet sich aktuell noch in der Voranhörungsphase. Die beteiligten Fachämter müssen prüfen, ob ein Event dieser Größenordnung genehmigungsfähig ist, welche Auflagen erforderlich wären oder ob Änderungen notwendig sind.
Übersetzt: Es läuft gerade durch genau das System, das in Stuttgart noch jeden Trail, jede Strecke und jeden vernünftigen Kompromiss mindestens einmal fast verhindert hat. Wir drücken die Daumen und warten.
Die Ironie der Geschichte
Lasst uns kurz innehalten und das Bild auf uns wirken lassen: Stuttgart. Die Stadt, die Mountainbiker auf Wegen mit exakt zwei Meter Breite duldet und das als Fortschritt verbucht. Die Stadt, in der ein genehmigter Trail mehr Vorlaufzeit braucht als so manches Bundesbauprojekt. Diese Stadt soll zum Schauplatz des wildesten urbanen Downhill-Rennens der Welt werden.
Und weißt du was? Vielleicht ist das genau das richtige Zeichen.
Denn die Realität verändert sich – langsam, aber sie verändert sich. Immer mehr Gemeinden in Baden-Württemberg begreifen, dass die Zwei-Meter-Regel nicht Naturschutz bedeutet, sondern Ideenlosigkeit. Dass Mountainbiken keine Bedrohung ist, sondern eine Chance für Naherholung, Tourismus und das Image einer Stadt. Cerro Abajo wäre der lauteste Beweis dafür, den Stuttgart je geliefert hätte.
Stuttgarts Moment
Die Community schwankt zwischen Unglaube und Vorfreude. Verständlich. Wer jahrelang für jeden Meter Trail kämpfen musste, glaubt solche Neuigkeiten erst, wenn die Startrampe steht.
Aber die Zeichen stehen gut. Der Bezirksbeirat Süd ist mehrheitlich dafür. Der Gemeinderat steht bereit. Red Bull hat Interesse. Der UCI-Kalender hat das Datum. Die Strecke ist skizziert. Der Kessel ist da.
Was jetzt noch fehlt, ist der Mut der Verwaltung, diesen Moment nicht mit Auflagenpapieren zu ersticken, sondern ihn zu gestalten. Stuttgart hat die Topografie. Stuttgart hat die Community. Stuttgart hat die Chance.
Der Kessel ist bereit. Die Welt schaut zu. Jetzt ist die Stadt dran.
Wir halten euch auf dem Laufenden – sobald die Genehmigung fällt. Oder nicht. In Stuttgart weiß man das nie so genau.
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