Manchmal reicht ein Blick auf die Karte und du weißt, dass du ein paar Tage lang nichts mehr in der Zentrale verloren hast. Die Reise hat mich diesmal in den Nordschwarzwald gezogen, genauer nach Sasbachwalden – Blumen- und Weindorf, Luftkurort, und wenn man den Einheimischen glaubt, einer der sonnigeren Winkel Baden-Württembergs. Mein eigentlicher Grund, hier aufzuschlagen, liegt aber weder im Wein noch in den Fachwerkhäusern: Ich will den STATERA Schwarzwaldtrail unter die Stollen nehmen.
Die Drohnenbilder sind schon im Kasten, ein paar erste Runs auch. Das volle Verdikt kommt dann in einer kommenden #MTBlife-Episode. Bis dahin gibt’s hier schon mal alles, was du wissen musst, wenn du selbst mit deinem Bike an der Kante zur Rheinebene aufschlagen willst.
Was der STATERA eigentlich ist
Kurz zur Geschichte, weil’s sonst verwirrend wird: Der Trail hieß jahrelang Alpirsbacher Klosterbräu Schwarzwaldtrail, vielen ist er unter diesem Namen ein Begriff. Seit der Umbenennung läuft das Ding offiziell als STATERA Schwarzwaldtrail – gleicher Trail, neuer Anstrich, neuer Hauptsponsor. Betrieben wird die ganze Nummer vom Bikesport Sasbachwalden e.V., der hier im Rahmen der Schaeffler MTB-Arena seit 2014 eine der ernstzunehmendsten legalen Trail-Destinationen Süddeutschlands aufgebaut hat.
Die Zahlen, damit du weißt, worauf du dich einlässt: rund vier Kilometer Länge, etwa 330 Höhenmeter Abfahrt, Schwierigkeit bis S2 nach Singletrail-Skala. Kein reiner Downhill, sondern ein gebauter Flowtrail mit Anliegern, Tables, Steinfeldern, kleinen Drops und genug technischen Passagen, damit du nicht einschläfst. Die Macher empfehlen mindestens 140 mm Federweg, ideal ist ein Enduro – ein Hardtail lebt, wird aber nicht glücklich. Schwierige Stellen sind fast überall umfahrbar, was den Trail auch für Einsteiger mit sauberer Grundtechnik machbar macht. Wer das Ding richtig ballern will, findet genug Linien, um jedes Run-Limit zu sprengen.
Oberhalb hängt seit 2018 noch der Pfad Zwo dran – eine Jumpline mit Anliegern und Tables, die dich quasi als Vorspeise in den STATERA reinfüttert. Unten im Ort steht zusätzlich ein Pumptrack vom bekannten Trailbauer Nico Vink, gesponsert von Reverse Components. Wer also Bock auf einen vollen Tag hat, fährt hier nicht nur runter – der Spot hat Format.
Der Shuttle: BikeStreetBoyz am Spinnerhof-Parkplatz
Offiziell heißt’s am Trail-Board „Shuttle NEIN DANKE! Folge den Uphill-Schildern und pedaliere selbst hoch.“ Für die Puristen ist das die ehrliche Variante – ab dem Spinnerhof geht’s über Forstwege hinauf zum Einstieg, die unteren zwei Drittel sind etwas steiler. Macht Spaß, kostet Körner, lässt dich den Trail später mehr verdienen.
Wer allerdings mehr Runs aus dem Tag rausholen will, für den gibt’s seit 2025 wieder einen Bikeshuttle – und zwar ein privates Herzensprojekt von Dominik und seinen BikeStreetBoyz. Ich bin am Parkplatz gleich über das orange Schild gestolpert:

Das Angebot ist unkompliziert: Treffpunkt ist der Schotterparkplatz unterhalb vom Spinnerhof, gefahren wird hoch zum Pfad Zwo mit Anschluss an den STATERA. Acht Biker plus Bikes pro Fuhre, E-Bikes inklusive. Die Preistafel lässt sich sehen – One High für 10 €, School High bis 16 Jahre für 8 €, Day High mit unbegrenzten Runs für 30 €. Wer öfter hier aufschlägt, nimmt die Mehrfahrtenkarte: High Five für 40 € oder die Double High Five für 75 €, beide übertragbar und unbegrenzt gültig. Gezahlt wird bar oder per PayPal – wobei Dominik selbst zugibt, dass der Handyempfang oben nicht immer mitspielt, also lieber Cash dabei haben.
Fahrtage sind Samstag, Sonntag und Feiertage, jeweils etwa 10 bis 17 Uhr. Aktuelle Infos laufen über bikestreetboyz.de und den Instagram-Kanal @bikestreetboyz_official. Kein Verein, keine Mitgliedschaft, keine Reservierung nötig – einfach hinkommen, aufladen, runterballern. Genauso wie’s sein soll.
Pause auf der Terrasse: Der Spinnerhof
Direkt am Trail-Ende – und damit der logische Endpunkt jeder Abfahrt – liegt das Hotel Restaurant Im Spinnerhof. Familienbetrieb unter Roland Spinner, hoch über Sasbachwalden im Ortsteil Hörchenberg. Ich hab mir eine kurze Pause auf der geschützten Terrasse gegönnt, und ehrlich: Der Blick hinüber ins Rheintal, rüber zu den Vogesen und bei guter Sicht bis nach Straßburg ist nicht der schlechteste Ort, um den Staub von der Jacke zu klopfen.
Der Laden vermarktet sich selbst als „Stützpunkt für Mountainbiker“ und das ist auch nicht nur Werbesprech – die Kombi aus Biergarten, deftiger badischer Küche, der bekannten Schwarzwälder Kirschtorte und der hauseigenen Erlebnisbrennerei Teufelsküch macht’s zur naheliegendsten Ausklang-Location nach einem Trail-Tag. Und ja, auch hier lauert die Gefahr: Ein Stück Kirschtorte zu viel und du willst nicht mehr runter ins Tal.
Gleich neben dem Hotel steht der Schnapsbrunnen, der nach der Winterpause traditionell zu Ostern wieder aufmacht. Das Prinzip ist schnell erklärt: Im kalten Quellwasser stehen Obstbrände, Liköre, Most und Säfte bereit, man bedient sich selbst, wirft einen fairen Obolus in die Kasse und geht weiter. Pure Schwarzwald-Tradition, null Show, genau die Mischung aus Ehrlichkeit und Lokalkolorit, die mir hier gefällt.
Übernachten als Biker – von Hotel bis Womo
Wer nicht nur für einen Tagesausflug anrollt, findet in und um Sasbachwalden eine Palette, die ziemlich genau weiß, dass hier Biker aufschlagen.
Der naheliegendste Move: Buchen im Spinnerhof selbst. Das Hotel liegt nicht nur direkt am Trail-Ende, es hat 45 Zimmer, freies WLAN, Parkplätze umsonst, und der Frühstücksstart am nächsten Morgen führt dich quasi automatisch wieder Richtung Uphill. Adresse: Am Schloßberg 8, 77887 Sasbachwalden.
Wer’s etwas rustikaler mag, landet beim Naturhotel Holzwurm – denkmalgeschütztes Fachwerkhaus im Ortskern, neun liebevoll restaurierte Nichtraucherzimmer, Apartments und Ferienwohnungen, eigene Vesperstube. Die Jungs dort nennen ihr Haus explizit einen idealen Ausgangspunkt zum Mountainbiken, Wandern und Nordic Walken.
Die Pension am Weinberg (Familie Spinner, seit 1963) ist die ruhige Alternative am Ortsrand mit Blick über die Reben bis zu den Vogesen – nichts mit Frühstücksbuffet, dafür ein Kaffeevollautomat und wenige Gehminuten ins Zentrum.
Für die Wohnmobil-Crew ist der offizielle Wohnmobilstellplatz am Festplatz die erste Adresse: 33 bis 40 Plätze direkt hinter der Winzergenossenschaft Alde Gott, ruhige Lage am Bachlauf, V/E-Station rund um die Uhr, WLAN inklusive, aktuell rund 10 € pro Nacht plus Kurtaxe. Reservierung ist nicht möglich, wer sicher gehen will, kommt früh an. Mit dem Parkschein bekommst du in der Tourist-Info die KONUS-Gästekarte, mit der Bus & Bahn in der Region für dich kostenlos werden – clever, wenn du auch mal den ÖPNV für den Uphill nutzen willst.
Als Geheimtipp für Camper lohnt sich ein Blick auf private Stellflächen via hinterland.camp oder AlpacaCamping – kleinere Höfe, eigene Schnapsbrunnen, Ziegen zur Landschaftspflege, manchmal nur ein paar Kilometer vom Trail entfernt. Wer nicht auf genormte Platzordnung steht, findet hier eher seinen Vibe.
Was die Gegend sonst noch hergibt
Sasbachwalden ist einer dieser Orte, wo man schnell merkt: Der Trail ist nur ein Puzzleteil. Wenn du ohnehin schon da bist, pack dir die Extras dazu.
Die Gaishöll-Wasserfälle sind Pflicht. Wildromantische Schlucht mit 13 Holzbrücken und rund 200 Stufen, kaskadenartig fällt der Brandbach ins Tal. Die Wasserfälle liegen in Laufweite vom Ortszentrum und sind Teil der Alde Gott Panoramarunde, einem zertifizierten Premium-Wanderweg, den man auch mal als Restday-Programm einbauen kann. Wer lieber auf dem Bike bleibt, findet parallel dazu genug Forstwege und Naturpfade für eine ruhige Runde.
Der Schnapsbrunnenweg ist die nächste lokale Spezialität – zwei Rundwege, zusammen weit über zehn Schnapsbrunnen, jeder an einem Aussichtspunkt. Du suchst dir deine Lieblingsbrunnen selbst raus. Das Konzept ist so schön uneitel, dass es fast schon wieder Hipster-reif ist, und doch ist’s einfach gelebte Tradition.
Hoch hinaus geht’s zur Hornisgrinde, mit 1.163 Metern der höchste Berg des Nordschwarzwalds. Oben findest du den Bismarckturm, den Hornisgrindeturm, einen Bohlenweg durchs Hochmoor und die moderne Grinde Hütte mit Panoramafenstern. Direkt darunter liegt der Mummelsee – für viele schon der Geheimtipp-Killer, weil maximal überlaufen, aber mit dem Bike früh morgens oder spätnachmittags immer noch ein Erlebnis. Wer auf ruppigere Ausblicke steht, nimmt sich den Karlsruher Grat vor – Klettersteig-Character, einer der anspruchsvolleren Wege im Nordschwarzwald.
Und dann ist da noch der Wein. Die Winzergenossenschaft Alde Gott hat direkt am Ortseingang einen Weinflaschenautomaten stehen – ja, ernsthaft, 24/7 Zugang zu lokalen Tropfen. Wer nach dem Trail nicht direkt ins Restaurant will, holt sich eine Flasche, setzt sich in die Reben und schaut der Sonne beim Untergang hinter den Vogesen zu. Eine der ehrlicheren Arten, einen Ride-Tag zu schließen.
Der STATERA Schwarzwaldtrail spielt oben in der deutschen Liga mit, das lässt sich nach den ersten Runs schon sagen. Die Mischung aus legalem, gepflegtem Trail, funktionierendem Shuttle, einer Gastro direkt am Auslauf und einer Gegend, die drumherum einfach liefert, macht Sasbachwalden zu einem dieser Spots, die du dir als Biker mal markieren solltest. Ob der Trail komplett hält, was der Ruf verspricht, und wie die Linie sich wirklich fährt, das gibt’s dann in voller Länge in der kommenden #MTBlife-Episode. Inklusive Ride-Material, ehrlicher Einschätzung und den Stellen, an denen’s klemmt.
Bis dahin: Wenn du selbst in der Gegend aufschlägst, schreib in den Kommentaren oder schick uns deine eigenen Eindrücke. Und wenn du Dominik und seine Jungs am Spinnerhof-Parkplatz triffst, grüß sie von den Radical Life Studios.
Real Ride. Real Talk. Real Life.
Infos ohne Gewähr, Preise und Zeiten können sich ändern. Aktuelle Stände immer direkt bei den Betreibern checken: bikesport-sasbachwalden.de für den Trail selbst, bikestreetboyz.de für den Shuttle, spinnerhof.de für das Hotel.











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