Ein Kirchturm, der aus dem See ragt. Panzersperren im Hochmoor. Und Trails, die in Italien starten, durch Österreich laufen und in der Schweiz enden. Die 3-Länder Enduro Trails am Reschenpass sind kein Bikepark – und genau das ist der Punkt. In diesem Guide bekommt ihr alles, was ihr für eure eigene Planung braucht: die Trails im Detail, Preise und Tickets für 2026, meine ehrliche Einschätzung, für wen sich das Gebiet lohnt – und die komplette #MTBlife Episode S04E09, in der ich das alles selbst gefahren bin. Real Ride. Real Talk. Real Life.

Das Gebiet auf einen Blick

Rund um den Reschenpass, dort wo Österreich, Italien und die Schweiz aufeinandertreffen, liegt eines der spannendsten Enduro-Reviere der Alpen. Die Zahlen: sechs Bergbahnen, über 30 Singletrails, mehr als 60 Kilometer Trailstrecke und Abfahrten von knapp 2.500 Metern Seehöhe – Runs mit über 1.000 Tiefenmetern am Stück sind hier keine Ausnahme, sondern Programm. Die Orte Nauders (Österreich), Reschen und St. Valentin auf der Haide (beide Italien) haben ihre Liftanlagen und Trailnetze zu einem grenzüberschreitenden Gesamtpaket verbunden, das mit einer einzigen Karte fahrbar ist.

Was das Gebiet von klassischen Bikeparks unterscheidet: Die Trails sind zum größten Teil naturbelassen. Wurzelteppiche, Felsplatten, Spitzkehren, loses Geröll – hier fährt man Berg, nicht Baggerpiste. Wer perfekt geshapte Anlieger und Tables am Fließband erwartet, ist am Reschenpass falsch. Wer echtes Enduro-Terrain mit alpinem Panorama sucht, findet hier eine der besten Adressen im gesamten Alpenraum. Und mittendrin: der Reschensee mit dem versunkenen Kirchturm von Alt-Graun, das Schloss Naudersberg und der 3-Länder-Grenzstein als Wahrzeichen, an denen man beim Biken einfach so vorbeikommt.

Die Story hinter dem Kirchturm

Wer am Strand von Reschen am See steht, schaut auf eines der bekanntesten Fotomotive der Alpen: den romanischen Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert, der einsam aus dem Wasser ragt. Die Geschichte dahinter ist weniger idyllisch. 1950 wurde der Reschensee für ein Stauseeprojekt aufgestaut, das alte Dorf Graun und große Teile von Reschen versanken in den Fluten. Über 100 Häuser verschwanden, hunderte Menschen verloren ihre Heimat. Nur der Kirchturm blieb stehen – als Mahnmal und heute als Wahrzeichen der ganzen Region. Im Winter, wenn der See zufriert, kann man sogar zu Fuß zu ihm hinüberlaufen.

Genau dort startet auch unsere Episode: Intro am Seeufer, dann mit der Drohne über den See und den Turm. Wenn ihr wissen wollt, wie das aus der Luft aussieht – das Video ist weiter unten eingebettet.

Anreise: So kommt ihr nach Nauders

Nauders liegt am Reschenpass im äußersten Südwesten Tirols, direkt an der Grenze zu Südtirol und nur ein paar Kilometer von der Schweiz entfernt. Mit dem Auto kommt ihr aus Deutschland am entspanntesten über zwei Routen: über die A7 und den Fernpass Richtung Landeck oder über die Inntalautobahn A12 bis zum Knoten Oberinntal. Von dort geht es auf der B180, der Reschenstraße, durch das Obere Gericht hinauf nach Nauders. Aus dem Raum Stuttgart seid ihr in etwa vier Stunden vor Ort, aus München geht es ähnlich schnell. Wichtig für Vignetten-Sparer: Die B180 ab Landeck ist eine Bundesstraße – wer über den Fernpass anreist, kommt komplett ohne österreichische Autobahnvignette nach Nauders.

Die Talstationen der Bergbahnen liegen alle direkt an der Hauptroute: Bergkastelbahn und Mutzkopflift in Nauders, die Schönebenbahn in Reschen und die Haideralmbahn in St. Valentin auf der Haide. Parkplätze gibt es an allen Stationen. Wer ohne Auto anreist oder vor Ort flexibel sein will: Die Buslinie 273 verbindet Landeck über Nauders mit Mals und ist ab der 3-Tages-Bike-Card kostenlos nutzbar (Biketransport je nach Verfügbarkeit, kostenpflichtig).

Bergbahnen, Tickets & Preise 2026

Das Herzstück des Gebiets ist die 3-Länder Bike Card. Sie gilt für alle sechs Bergbahnen der Region – in Nauders sind das der Doppelsessellift Mutzkopf, die Bergkastelbahn, die Zirmbahn und die Goldseebahn, dazu kommen die Gondelbahnen Schöneben in Reschen und Haideralm in St. Valentin. Der Biketransport ist bei allen Bahnen inklusive, und ab der 3-Tages-Karte kommen die Buslinien in Österreich, Italien und der Schweiz als Transfer-Joker dazu.

Die Preise für die Saison 2026 (gültig vom 29. Mai bis 11. Oktober 2026):

3-Länder Bike CardErwachseneJugend (Jg. 2008–2010)Kinder (Jg. 2011–2019)
1 Tag50,50 €38,50 €23,00 €
3 Tage124,50 €93,50 €56,00 €
4 Tage160,50 €120,00 €72,50 €
6 in 7 Tagen173,50 €130,00 €78,50 €
Verlängerungstag (ab 3 Tage)38,50 €28,50 €18,50 €

Kinder ab Jahrgang 2020 fahren in Begleitung eines Erwachsenen mit gültiger Bike Card kostenlos. In der Nebensaison (14. bis 28. Mai und 12. bis 18. Oktober 2026) sowie in der Zwischensaison ab Mitte August gibt es zusätzlich Sondertarife – die genauen Konditionen findet ihr auf der offiziellen Seite der 3-Länder Enduro Trails.

Rechnen wir kurz ehrlich: Der Tagespreis von gut 50 Euro klingt erstmal happig. Aber schon ab drei Tagen liegt ihr bei rund 41,50 Euro pro Tag für sechs Bergbahnen in zwei Ländern – und ganz ehrlich, unter drei Tagen braucht ihr hier gar nicht erst anreisen. Das Gebiet ist schlicht zu groß für einen Tagesausflug.

Und dann ist da noch die Gravity Card. Die 3-Länder Enduro Trails sind Mitglied im Gravity-Card-Verbund, der Saisonkarte für 30 Bikeparks in Europa – 2026 gültig vom 4. April bis zum 8. November. Wer sowieso einen Bikepark-Sommer plant und mehrere Gravity-Card-Destinationen abklappern will (Nauders, Ischgl, Lermoos-Biberwier, Paganella und viele mehr liegen quasi auf einer Route), für den kann sich die Karte schnell rechnen. Genau damit war ich unterwegs.

Die Trails im Detail: Was euch wo erwartet

Jetzt zum eigentlichen Grund, warum ihr hier seid. Ich nehme euch mit durch das Gebiet, so wie ich es in der Episode gefahren bin – vom Bergkastel-Plateau über den Mutzkopf und das Plamort bis nach Schöneben auf der italienischen Seite.

Bergkastel: Das Einstiegs-Plateau mit dem EasyRide Trailpark

Die Bergkastelbahn ist die Hauptschlagader auf der Nauderer Seite. Die Gondel bringt euch samt Bike bequem aufs Bergkastel-Plateau, und von dort erschließt die kleine Goldseebahn in wenigen Minuten den höchsten Einstiegspunkt auf über 2.000 Metern. Oben erwartet euch der EasyRide Trailpark – das einsteigerfreundliche Herzstück des Gebiets mit Goldseetrail, Hofratstrail, Zirmtrail und einer Jumpline.

Der Goldseetrail ist dabei der Star: rund 2,5 Kilometer über Stein, Holz und Erde, mit Blick auf den Reschensee, der einem regelmäßig die Konzentration klaut. Die Mischung aus flowigen Passagen und kleinen technischen Einlagen macht ihn zum perfekten Warm-up und gleichzeitig zum Trail, den man den ganzen Tag in Dauerschleife fahren könnte – die schnelle Liftanbindung über die Goldseebahn macht Lap um Lap möglich. Der Hofratstrail und der Zirmtrail ergänzen das Plateau um weitere verspielte Linien, die Jumpline liefert die Sprung-Dosis für alle, die es luftiger mögen. Der Almtrail wiederum ist die entspannte Verbindung Richtung Süden – nicht spektakulär, aber die Alternative zur Forststraße und der Zubringer für alles, was Richtung Plamort geht.

Mein Real Talk zum EasyRide-Bereich: Das ist der Teil von Nauders, der auch für Einsteiger und Familien funktioniert. Aber lasst euch vom Wort „easy“ nicht täuschen – dazu später mehr bei der Farbenlehre.

Mutzkopf: Der alte Sessellift und der neue Mutztrail

Auf der anderen Seite von Nauders bringt euch der Doppelsessellift Mutzkopf – eine Bahn mit ordentlich Patina, fast schon museumsreif, aber genau das hat Charme – zu einem eigenen kleinen Trail-Kosmos. Hier warten mit dem Green Trail, dem Elven Trail, dem Kreuzmoos Trail und dem Gerry Trail vier naturbelassene Abfahrten, dazu ist mit dem Mutztrail eine neue, zugänglichere Linie entstanden, die den Einstieg in die Mutzkopf-Seite deutlich freundlicher macht.

Wichtig zu wissen: Die Mutzkopf-Trails sind das Gegenteil vom EasyRide Trailpark. Der Elven Trail packt auf nicht mal zwei Kilometern rund 450 Höhenmeter – das Ding ist steil, wurzelig, mit engen Serpentinen, und der Green Trail ist trotz seines harmlosen Namens offiziell als S2 eingestuft. Wer hier unterwegs ist, sollte wissen, was er tut. Der Mutzkopf ist außerdem das Ziel des berühmten 3-Länder Trails, der hier oben endet – dazu gleich mehr.

Plamort: Panzersperren, Geschichte und der Bunkertrail

Das Plamort ist für mich der besondersste Ort des ganzen Gebiets – und der Grund, warum die Drohne in dieser Episode Überstunden gemacht hat. Vom Bergkastel führt der Weg über den Almtrail hinüber auf ein Hochmoor-Plateau an der Grenze zwischen Österreich und Italien. Der blaue Plamort Trail (S1) schlängelt sich in einem flowigen Auf und Ab durch dichte Wälder hinaus auf die Ebene, und dann steht man plötzlich davor: die Panzersperren von Plamort.

Reihen aus Beton und rostigen Metallspitzen ziehen sich quer durchs Hochmoor – Überbleibsel des italienischen Alpenwalls, gebaut in den 1930er-Jahren aus Angst vor einem Angriff aus dem Norden. Dazu Bunkeranlagen, die heute noch im Gelände stehen. Eine unrühmliche Geschichte an einem Ort, der landschaftlich kaum schöner sein könnte, mit Dreitausender-Panorama und Blick hinunter auf den Reschensee. Genau diese Brüche machen für mich gutes Storytelling aus – und ehrlich gesagt auch gutes Biken. Man rollt hier nicht einfach nur durch, man fährt durch Geschichte.

Ab der Bunkeranlage übernimmt der Bunkertrail (rot, S2): 4,4 Kilometer, die mit einer rasanten Wiesenabfahrt starten und sich dann in technische, steile Passagen verwandeln, bevor der Trail über den kurvigen Etsch Trail hinunter nach Reschen ausläuft. Das Paket Plamort plus Bunkertrail ist für mich die charakteristischste Kombination des ganzen Gebiets: Landschaft, Geschichte und Fahrtechnik in einer einzigen Abfahrt.

Schöneben: Der Piz Trail – längster Flowtrail Italiens

Von Reschen bringt euch die Schönebenbahn auf die italienische Seite des Reviers, und hier wartet der Trail, über den alle reden: der Piz Trail. Sieben Kilometer und rund 600 Höhenmeter schlängelt er sich von der Bergstation durchs Tal – damit ist er der längste Flowtrail Italiens. Grüne Schwierigkeitsstufe, verspielt und naturschonend um die Zirben gebaut, mit sanften Kurven, kleinen Wellen und einem Flow, der einfach nicht aufhören will. Sieben Kilometer Grinsen, anders kann ich es nicht beschreiben.

Das Clevere am Piz Trail: Er kreuzt mehrfach den roten Schöneben Trail, sodass ihr jederzeit zwischen grün und rot wechseln könnt. Der Schöneben Trail selbst ist das komplette Kontrastprogramm – naturbelassener Waldboden, anspruchsvolle Wurzelpassagen, Felsplatten und ein knackiges Finale kurz vor der Talstation. Bei Nässe werden die Wurzeln hier richtig ungemütlich. Diese Kombination aus grünem Flow und rotem Anspruch am selben Hang, mit derselben Bahn erschlossen, ist ziemlich einzigartig und macht Schöneben zum idealen Spot für gemischte Gruppen: Einer fährt Flow, einer fährt Wurzeln, unten trifft man sich wieder.

Was noch fehlt: Haideralm Trail und 3-Länder Trail

Volle Transparenz: Zwei große Namen haben es in dieser Episode nicht mehr geschafft – der Haideralm Trail und der 3-Länder Trail. Der Haideralm Trail ab St. Valentin gilt als der anspruchsvollste Trail des ganzen Gebiets: knapp vier Kilometer, 650 Höhenmeter, steile Wurzelteppiche, ausgesetzte Kehren, ruppige Felspassagen. Der 3-Länder Trail wiederum ist der ikonische Klassiker: Er startet auf der Südtiroler Seite nahe der Rescher Alm, führt über einen langen Northshore durchs Hochmoor, vorbei an Bergseen, über einen breiten Wurzelteppich durch den Wald – und quert dabei auf nur 3,4 Kilometern drei Länder, von Italien über Österreich bis ins Schweizer Engadin. Zum Einstieg biegt man im ersten Drittel des Schöneben Trails ab und nimmt einen rund 30-minütigen Uphill in Kauf.

Warum ich das offen sage? Weil es ehrlicher ist, als so zu tun, als hätte ich in ein paar Tagen alles gesehen. Das Gebiet ist schlicht zu groß. Und es ist der beste Grund, den ich mir vorstellen kann, um wiederzukommen – die Fortsetzung ist also quasi schon angekündigt.

Real Talk: Die Farbenlehre von Nauders

Jetzt zum wichtigsten Absatz dieses Guides, und ich meine das ernst. Die Trailfarben am Reschenpass funktionieren anders, als ihr es aus dem Bikepark kennt. Ein blauer Trail in einem klassischen Bikepark ist eine planierte, glattgezogene Piste, die man im Sitzen runterrollen kann. Ein blauer Trail in Nauders ist ein naturbelassener Bergweg mit Wurzeln, Steinen und Passagen, die im Bikepark locker als Rot durchgehen würden. Der Green Trail am Mutzkopf trägt „Green“ im Namen und ist offiziell S2. Lasst das kurz sacken.

Das ist kein Fehler der Betreiber, sondern die Logik eines Enduro-Reviers: Die Farben skalieren innerhalb des naturbelassenen Spektrums, nicht innerhalb der Bikepark-Welt. Aber wer das nicht weiß, kann hier böse überrascht werden. Mein Rat: Stuft euch eine Farbe konservativer ein, als ihr es gewohnt seid, fahrt die erste Abfahrt auf Sicht und tastet euch dann hoch. Ausnahme sind der Piz Trail und die EasyRide-Linien am Bergkastel – die halten, was ihre Einstufung verspricht.

Und weil Real Talk ohne eigene Fehler nur halb so viel wert ist: Mich hat es auf einer der roten Linien auf der italienischen Seite selbst zerlegt. Nichts Dramatisches, aber genug, um die eigene Selbsteinschätzung nochmal zu kalibrieren. Die ganze Geschichte, inklusive der Stelle und was ich daraus mitgenommen habe, seht ihr in der Episode – manche Lektionen erzählt das Bewegtbild einfach besser als jeder Text.

Heckler oder Jekyll: Welches Bike für Nauders?

Ich hatte beide Optionen im Gepäck – das Santa Cruz Heckler als eMTB und das Cannondale Jekyll als analoges Enduro – und die Frage, welches Bike nach Nauders gehört, ist berechtigter als anderswo. Die kurze Antwort: Beides funktioniert, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Für das analoge Bike spricht, dass die sechs Bergbahnen die Höhenmeter-Arbeit übernehmen. Wer klassisch Lift fährt und Abfahrten sammelt, braucht keinen Motor und profitiert vom geringeren Gewicht auf den technischen, verwinkelten Naturtrails. Für das eMTB sprechen die Transferstrecken zwischen den Bahnen, die Uphills auf dem Plateau – etwa der halbstündige Anstieg zum 3-Länder Trail – und die Freiheit, auch mal abseits der Liftlogik eine Runde zu drehen. Das Gebiet ist eben kein kompakter Park, sondern ein weitläufiges Revier, und genau da spielt der Motor seine Stärke aus. Meine ausführliche Einschätzung mit allen Details, wie sich beide Bikes auf den Trails geschlagen haben, gibt’s im Video – der direkte Vergleich war mir ein eigenes Kapitel wert.

Beste Reisezeit und Bedingungen

Die Saison läuft je nach Schneelage von Mitte Mai bis Mitte Oktober, die 3-Länder Bike Card 2026 gilt vom 29. Mai bis zum 11. Oktober. Die Bergbahnen fahren in der Regel von etwa 9:00 bis 16:30 Uhr, wobei nicht jede Bahn an jedem Tag der Randsaison läuft – gerade Anfang Juni und im Oktober lohnt der Blick auf die offiziellen Betriebszeiten oder ein kurzer Anruf bei den Bergbahnen Nauders, bevor ihr Urlaubstage verplant.

Klimatisch ist der Reschenpass ein Geheimtipp für den Hochsommer: Durch die Höhenlage bleibt es hier oben angenehm, wenn unten in den Tälern die Hitze steht. Und wenn es doch mal zu warm wird, springt man einfach in den Reschensee oder einen der kleinen Waldseen. Der einzige Wermutstropfen bei Nässe: Die naturbelassenen Trails mit ihren Wurzelteppichen werden bei Regen deutlich anspruchsvoller – plant bei instabilem Wetter lieber die flowigen Linien wie den Piz Trail ein und hebt euch die technischen Klassiker für trockene Tage auf.

Übernachten und Drumherum

Nauders selbst ist ein gewachsenes Bergdorf mit allem, was man braucht: Hotels vom Bikehotel bis zum Bauernhof, Restaurants, Bikeshops mit Verleih und Service. Die Mountainbike-Kultur ist hier keine Marketing-Erfindung – die Einheimischen haben das Biken schon vor über 25 Jahren für sich entdeckt, und man merkt an jeder Ecke, dass man als Mountainbiker willkommen ist. Das ist leider immer noch nicht überall in den Alpen selbstverständlich, und wer meine Haltung zum Thema Trail Access kennt, weiß, wie hoch ich das gewichte.

Auch auf der italienischen Seite in Reschen, Graun und St. Valentin findet ihr Unterkünfte, oft mit direktem Blick auf den See. Praktischer Nebeneffekt einer Unterkunft in der Region: Viele Gastgeber geben die Summercard aus, die zusätzliche Leistungen von Bussen bis zu Museen abdeckt. Abseits des Bikes lohnen sich der Kirchturm von Alt-Graun (logisch), das Schloss Naudersberg, die Erlebnisburg Altfinstermünz in der Inn-Schlucht und eine Schifffahrt auf dem Reschensee.

Für wen lohnt sich Nauders – und für wen nicht?

Zeit für das ehrliche Fazit. Die 3-Länder Enduro Trails sind ein Traum für alle, die naturbelassene Trails, alpines Panorama und technische Abwechslung suchen und dafür auf perfekt geshapte Bikepark-Lines verzichten können. Enduro- und All-Mountain-Fahrer mit solider Fahrtechnik finden hier eines der besten Reviere der Alpen, und durch den EasyRide Trailpark und den Piz Trail ist mittlerweile auch für Einsteiger und Familien ein echtes Angebot da – solange man die Farbenlehre respektiert.

Wer dagegen hauptsächlich Jumplines, Drops und Shuttle-Runs am Fließband sucht, wird hier nicht glücklich. Nauders ist kein Gravity-Park, sondern ein Enduro-Revier mit Liftunterstützung – das ist ein Unterschied, und zwar ein gewollter. Und wer nur einen einzigen Tag Zeit hat, sollte sich bewusst sein, dass er nur einen Bruchteil sieht: Plant mindestens zwei, besser drei bis vier Tage ein. Das Gebiet belohnt jeden zusätzlichen Tag mit einer neuen Ecke, einer neuen Bahn, einem neuen Land.

FAQ: Die häufigsten Fragen zu den 3-Länder Enduro Trails

Wie viele Trails gibt es in Nauders am Reschenpass? Das Gebiet umfasst über 30 Singletrails mit insgesamt mehr als 60 Kilometern Länge, verteilt auf sechs Bergbahnen in Österreich und Italien. Die Abfahrten starten auf bis zu knapp 2.500 Metern Seehöhe.

Was kostet die 3-Länder Bike Card 2026? Erwachsene zahlen 50,50 € für einen Tag, 124,50 € für drei Tage, 160,50 € für vier Tage und 173,50 € für sechs in sieben Tagen. Jugend- und Kindertarife sind günstiger, Kinder ab Jahrgang 2020 fahren in Begleitung kostenlos.

Gilt die Gravity Card in Nauders? Ja, die 3-Länder Enduro Trails sind Teil des Gravity-Card-Verbunds mit 30 Bikeparks in Europa. Die Karte gilt 2026 vom 4. April bis zum 8. November.

Ist Nauders ein Bikepark? Nein. Die 3-Länder Enduro Trails sind ein Enduro-Revier mit überwiegend naturbelassenen Trails und Liftunterstützung. Geshapte Elemente gibt es im EasyRide Trailpark am Bergkastel und auf dem Piz Trail, der Charakter des Gebiets bleibt aber Natur pur.

Eignet sich Nauders für Anfänger und Familien? Ja, mit Einschränkungen. Der EasyRide Trailpark, der neue Mutztrail und vor allem der sieben Kilometer lange Piz Trail sind einsteigertauglich. Die Trailfarben sind allerdings strenger zu lesen als im Bikepark – ein blauer Trail in Nauders entspricht eher einem roten im Park.

Kann man in Nauders mit dem eMTB fahren? Absolut. Alle Bergbahnen transportieren auch eMTBs, und gerade für die Transferstrecken und Uphills abseits der Lifte spielt der Motor seine Stärken aus.

Wann ist die beste Zeit für einen Bike-Urlaub in Nauders? Die Saison läuft von Ende Mai bis Mitte Oktober. Hochsommer ist dank der Höhenlage angenehm kühl, Juni und September bieten leere Trails. In der Randsaison vorab die Betriebszeiten der einzelnen Bahnen prüfen.

Wie lange sollte man für die 3-Länder Enduro Trails einplanen? Mindestens zwei volle Tage, besser drei bis vier. Das Gebiet erstreckt sich über mehrere Talorte und zwei Länder – an einem Tag sieht man nur einen Bruchteil.

Drei Länder, ein Trailnetz, null Fassade

Die 3-Länder Enduro Trails sind genau das, wofür ich diesen Sport liebe: echte Trails in echter Landschaft, mit Geschichte unter den Reifen und einem Panorama, das einem regelmäßig die Linie versaut, weil man hinschauen muss. Kein Hochglanz, keine Inszenierung – dafür ein Revier, das ehrliche Fahrtechnik verlangt und sie mit Abfahrten belohnt, die man so schnell nicht vergisst. Der Kirchturm im See, die Panzersperren im Hochmoor, sieben Kilometer Flow auf dem Piz Trail: Das ist Nauders. Und weil Haideralm und 3-Länder Trail noch auf meiner Liste stehen, ist das hier kein Abschluss, sondern ein Zwischenstand.

Die komplette Episode mit allen Trails, dem Drohnenflug über den Reschensee, meinem Crash und dem Heckler-Jekyll-Vergleich seht ihr hier im Video. Wenn euch der Guide geholfen hat: Abo dalassen, Daumen hoch, und erzählt mir in den Kommentaren, welche Trails ihr am Reschenpass gefahren seid.

Real Ride. Real Talk. Real Life.

See you on the Trail — Rob

Alle Preise und Betriebszeiten: Stand Juli 2026, Angaben ohne Gewähr. Aktuelle Infos bei den Bergbahnen Nauders und auf der offiziellen Seite der 3-Länder Enduro Trails.


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