VERÖFFENTLICHT VON DEN RADICAL LIFE STUDIOS / MTB REPORT

Es gibt diesen einen Moment, in dem eine Szene merkt, dass sie plötzlich mittendrin ist statt nur dabei. Für die Stuttgarter Mountainbiker ist dieser Moment das erste September-Wochenende: Da rollt mit Red Bull Cerro Abajo die weltgrößte Urban-Downhill-Serie zu ihrer Deutschland-Premiere in den Stuttgarter Kessel und entscheidet ausgerechnet hier, quasi vor unserer Haustür, den WM-Titel der Saison.

Was da eigentlich passiert

Kurz für alle, die mit dem Format noch nicht warm sind: Urban Downhill heißt, es geht nicht durch den Wald, sondern mitten durch die Stadt, über Treppen, enge Gassen, Mauern und eigens gebaute Hindernisse, als Einzelzeitfahren gegen die Uhr. In der Szene gilt Cerro Abajo als „Formel 1″ des Urban Downhill: Was in den steilen Gassen Südamerikas begann, ist heute eine internationale Serie, und Stuttgart ist der letzte von vier Stopps. Am Start stehen nur rund 35 handverlesene Profis, ein exklusiveres Feld gibt es im MTB-Sport kaum. Gefahren wird am Samstag, 5. September (Training und Qualifikation), das große Finale steigt am Sonntag, 6. September.

Die Strecke: 1,2 Kilometer volles Programm

Der Kurs führt über rund 1,2 Kilometer und 130 Höhenmeter vom Teehaus im Weißenburgpark hinunter bis zum Wilhelmsplatz in der Innenstadt, vorbei am Bopser-Brünnle, über die Carola-Blume-Anlage und durchs Heusteigviertel. Auf dem Weg: ein 3,5 Meter hoher Start-Drop, ein 8,5-Meter-Brückensprung, Road Gaps (Sprünge über eine Straße hinweg), Doubles und natürlich jede Menge Stäffele. Tempo bis zu 60 km/h. Nicht ohne Grund wird Stuttgart mit seinen Hanglagen längst als „deutsches San Francisco“ gehandelt – für Urban Downhill ist der Kessel eine Traumkulisse.

Und jetzt der Teil, der uns besonders gefällt

Halten wir kurz inne bei einer schönen Ironie. Die Stäffele, über die hier die Weltelite mit 60 Sachen donnert, sind für den Rest von uns im Alltag zum Befahren schlicht tabu, Treppen fahren ist im öffentlichen Raum in aller Regel nicht erlaubt. Für ein Wochenende segnet die Stadt also offiziell genau das, was sie sonst untersagt. Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus: Für zwei Tage gehört die Stadt den Bikes, und der ganz normale Stuttgarter Treppenweg wird zur Weltmeisterschaftsstrecke.

Für ein Wochenende segnet die Stadt offiziell genau das ab, was sie sonst untersagt: die Stäffele runter.

Und ja, man darf so ein Red-Bull-Spektakel auch kritisch beäugen. In den Foren fremdelt die Hardcore-Fraktion schon mal mit 130 Höhenmetern und findet ohnehin jede Strecke zu einfach. Geschenkt. Für uns überwiegt der andere Gedanke: Hier gibt es keine Wattzahlen, keine Motordebatte, keinen Akku. Nur Fahrer, Schwerkraft und eine Treppe. Reiner geht Bike kaum.

Der Titelkampf: Wer holt die Krone?

Sportlich ist die Ausgangslage spannend. Vor dem Finale führt der Brasilianer Roger Vieira die Gesamtwertung an – nach seinem Sieg beim vorletzten Stopp in Genua reist er als Titelfavorit an. Im Weg stehen ihm unter anderem Serien-Sieger Tomáš Slavík, einer der bekanntesten Urban-Downhill-Spezialisten überhaupt, der einen technischen, kompakten Kurs erwartet – kompakter als Valparaíso, aber kein bisschen weniger spektakulär.

Die deutsche Hoffnung heißt Johannes „Fischi“ Fischbach, dreifacher Deutscher MTB-Meister und für ihn ist es das erste Heimspiel. Er rechnet fest mit einer riesigen Kulisse, weil die Region „total bike-verrückt“ sei. Damit hat er vermutlich recht: Eine bessere Bühne als die eigene, mountainbike-vernarrte Heimat gibt es nicht.

So bist du dabei

Die beste Nachricht zum Schluss: Der Eintritt ist an beiden Tagen kostenlos, ein Ticket brauchst du nicht. Weil das Ganze mitten in der City steigt, kommst du am entspanntesten mit den Öffentlichen. Such dir früh einen Spot erfahrungsgemäß wird es an den Stäffele am lautesten und spektakulärsten. Wer nicht vor Ort sein kann, verfolgt den Showdown live auf Red Bull TV und YouTube.

Kleiner Insider-Tipp für die Vorfreude: Schon vor dem Event fährt die historische Zahnradbahn „Zacke“ bis Anfang September als Cerro-Abajo-Bike-Line durch die Stadt auf ihrer bis zu 17,8 Prozent steilen Strecke streift sie mehrere Bereiche des späteren Rennkurses. Ein kleiner Vorgeschmack, bevor die Profis übernehmen.

Für die Stuttgarter-Szene ist dieses Wochenende ein Paukenschlag und ein Fest. Wir sehen uns an der Strecke.

Stuttgart, 18. August 2026 · MTB Report


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