Letzter Bikepark der Staffel, zwei Tage, zwei Bikes. Und am Ende ein Ozean auf 2.500 Metern.
Es gibt Sommer, in denen du alles richtig machst und trotzdem irgendwann leer bist. Saalbach, Leogang, die Paganella, die Petzen, Jamnica: Ich bin diese Saison jede Line gefahren, die man mir verkauft hat. Anlieger, Table, Anlieger, Table, Drehkreuz, Gondel, von vorn. Serfaus-Fiss-Ladis war der letzte Bikepark der Staffel. Ich bin nicht hingefahren, um etwas Neues zu finden. Gefunden hab ich trotzdem was.
In unserer #MTBlife Folge S04E22 nehme ich dich mit auf beide Tage. Hier bekommst du die ganze Geschichte, dazu alle Infos zu Bikepark, Bahnen und Trails, damit du deinen eigenen Trip planen kannst.
Das Sonnenplateau im Oberinntal
Serfaus, Fiss und Ladis sind drei Dörfer auf 1.200 bis 1.400 Metern, hoch über dem Inn im Tiroler Oberinntal. Mit über 2.000 Sonnenstunden im Jahr gehört die Region zu den sonnigsten Ecken Tirols. Bekannt ist sie vor allem als Familienziel, und genau so fühlt es sich oben auch an: Bahnen überall, Kinder überall, alles durchdacht. Von den Dörfern bis hinauf auf rund 2.600 Meter verbinden Gondeln und Sessellifte ein Netz aus Bikepark-Lines, Singletrails und Almwegen.
Mein Plan war simpel: Gravity Card in der Tasche, zwei Bikes im Auto. Samstag Bikepark, Sonntag hoch hinaus auf die Singletrails.
Der Bikepark an der Waldbahn
Den Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis gibt es seit 2013. Er liegt an der Waldbahn in Fiss, einer 8er-Gondelbahn, die dich mit dem Bike auf 1.840 Meter bringt. Von dort verteilen sich neun Lines: drei blaue, vier rote und zwei schwarze. Unten an der Talstation findest du Pumptrack, Übungsgelände, Kids Park und Landing-Airbags, dazu Bikeshop und Verleih direkt vor Ort. Wer mit Kindern anreist, hat hier gewonnen.
Blau: Die Hauptschlagader ist der Milky Way, rund drei Kilometer lang und die Einsteigerstrecke schlechthin. Im oberen Teil zweigt die Vuelta ab, auch blau, aber eher zum Techniküben als zum Laufenlassen. Mein Favorit unter den Blauen ist die Morning Glory: nur gut 700 Meter lang, aber mit richtig Zug. Größere Anlieger, kleine Sprünge, die du alle auch rollen kannst. Eigentlich schon halb rot. Danach fädelst du wieder in den Milky Way ein und rollst entspannt zur Talstation.
Rot: Strada del Sole, Supernatural und der Freeride Trail. Die Strada del Sole ist mit rund 2,8 Kilometern die Hauptroute und der Spaß-Klassiker im Park, mit Wallrides und schnellen Passagen. Hier merkst du, dass die Shaper wissen, was sie tun. Die Supernatural ist die Alternative, wenn dir der Brechsand der Strada zu glatt ist.
Schwarz: Hill Bill und Downhill. Wurzelteppiche, Rock Gardens, Drops und Sprünge über Northshore. Die beiden hab ich bewusst ausgelassen. Ich war an dem Tag nicht auf der Suche nach meinem Limit.
Ehrlich gesagt: Der Park hat mich nicht gepackt
Dieser Park hat alles: gute Lines, eine schnelle Bahn, tolle Infrastruktur. Und er ist beliebt, an der Waldbahn stehst du schon mal in der Schlange. Trotzdem bin ich nicht richtig warm geworden. Das liegt nicht am Park, das liegt an mir. Wenn du einen ganzen Sommer lang Flow aus dem Katalog gefahren bist, holt dich irgendwann auch der beste Park nicht mehr ab.
Dann kam der Sturz. Zweite Runde mit dem Heckler, frisch aus der Werkstatt, und es macht Bang. Mein erster Gedanke: Endlich. Endlich mal was Echtes, und die Kamera lief mit. Die Insta360 Ace Pro hat das anders gesehen: Datei beschädigt, zum zweiten Mal nach einem Sturz. Der beste Moment des Tages war weg.
Also alles nochmal, diesmal mit dem Cannondale, dessen Gabel bei jedem Schlag nach einem Service gerufen hat. Runde um Runde, alle blauen und roten Lines noch einmal für die Kamera. Und ja, ich hatte Spaß. Aber ich hab gemerkt, dass ich was anderes suche. Nicht den nächsten Park, sondern das Natürliche. Das, was keiner gebaut hat.
Hoch hinaus: Schönjochbahn und Almbahn
Sonntag, blauer Himmel, kalte klare Luft. Mit der Schönjochbahn geht es von Fiss hinauf aufs Fisser Joch auf 2.436 Meter. Das ist der Knotenpunkt für die Singletrails hier oben, von hier erreichst du einen Großteil der Trails im Gebiet.
Von dort geht es rüber zur Almbahn. Die bringt dich in gut sechs Minuten von der Schöngampalm hinauf auf den Zwölferkopf, knapp 2.600 Meter, fast 800 Höhenmeter am Stück. Ein paar Gondeln sind als Tiergondeln gestaltet, mit Infos zu Adler, Gämse und Co, eine ist sogar aus Holz. Von der Aussichtsplattform Z1 schaust du rüber zu den Dreitausendern am Alpenhauptkamm.
Zirbentrail 7083: viermal, jedes Mal schneller
Der Zirbentrail ist mit 9,1 Kilometern der längste Singletrail in Serfaus-Fiss-Ladis: 790 Höhenmeter bergab, offiziell blau. Entstanden ist er aus drei früheren Trails, dem Almtrail, dem Flüstertrail und dem alten Zirbentrail, die verbunden und in Teilen neu gebaut wurden.
Oben fährst du durch richtig hochalpines Gelände: weite Kehren, Fels, Gras, vor dir die Weite und dahinter die nächste Bergfront. Im unteren Teil taucht der Trail in den Zirbenwald ein, der ihm seinen Namen gibt. Zirben können Jahrhunderte alt werden, für die ist so ein Bikepark-Sommer ein Wimpernschlag. Dazwischen warten Northshore-Elemente, Wellen und Doubles, und du suchst dir deine Linie selbst aus.
Das Geniale: Der Trail endet direkt an der Talstation der Almbahn. Du kannst also shutteln, ohne ins Tal zu müssen. Sechs Minuten rauf, neun Kilometer runter. Ich hab das viermal gemacht, und jedes Mal eine Stufe draufgelegt. Erste Runde schauen, zweite laufen lassen. Bei der zweiten Abfahrt bin ich auf einer kleinen Brücke mit dem Lenker am Holzgeländer hängengeblieben. Nichts passiert, aber die Ansage war klar. In der vierten Runde war manches echt grenzwertig. Aber genau dieses Gefühl hatte mir im Park gefehlt. Zweimal hab ich in der Hütte kurz vor dem Trailende Pause gemacht, super nett und genau richtig zwischen zwei Runden.
Leicht steht auf dem Schild, und ein Einsteiger kommt da gut runter. Wie schnell du fährst, entscheidest aber du. Dann ist der leichteste Trail auf einmal gar nicht mehr so leicht.
Das Fenster: ein Ozean auf 2.500 Metern
Diese Geschichte hab ich erst hinterher gelesen, und sie lässt mich nicht mehr los. Die Berge rund ums Oberinntal liegen wie eine Decke über älterem Gestein. Rund um Serfaus, Fiss und Ladis hat die Erosion ein Loch in diese Decke gerissen, über 50 Kilometer lang. Geologen nennen so etwas ein Fenster, hier ist es das Unterengadiner Fenster.
Durch dieses Fenster schaust du auf etwas, das es nicht mehr gibt: den Boden eines Ozeans, der vor sehr langer Zeit zwischen den Kontinentalplatten lag. Sein Schlamm wurde zu Stein, dem Bündner Schiefer. Grau, manchmal bunt und in manchen Schichten bräunlich verfärbt. Dieses Braun ist im Grunde Rost, Eisen aus dem alten Meeresboden.
Heißt: Auf 2.500 Metern fährst du über einen ehemaligen Ozean. Und das Braun in den herbstlichen Bildern unserer Folge ist der Rost von diesem Meer.
Frommestrail 7077: der falsche Einstieg und die letzten Meter
Zum Abschluss hatte ich mir den Frommestrail aufgehoben, und der fing mit einer kleinen Irrfahrt an. Oben am Fisser Joch stand ich am Jochtrail, der aber rüber Richtung Serfaus führt. Falsch. Also zurück und richtig.
Der Frommestrail startet ein Stück höher: Vom Fisser Joch geht es ein paar Minuten über einen Schotterweg zum Gipfelkreuz am Schönjöchl auf rund 2.490 Metern, gut 60 Höhenmeter, die einzigen, die du dir an diesem Tag selbst verdienen musst. Von dort sind es 9,6 Kilometer und 871 Höhenmeter bergab. Der Trail ist rot, auf der Singletrail-Skala S2, und ganz anders als der Zirbentrail: naturbelassen, oben Steinplatten und Geröll durch alpines Gelände, mit Tiefblick ins Inntal. Dann vorbei an der Frommes Alp, Wurzelpassagen im Fichtenwald, dazwischen Almwiesen. Am Ende bringt dich ein Almweg zurück nach Fiss.
Mein Akku war da schon ziemlich angefressen, vier Runden Zirbentrail steckten in den Beinen. Der Trail war trotzdem so gut, dass ich nochmal alles gegeben hab. Und ganz unten im Wald, als ich echt platt war, kommt ein flowigerer Abschnitt, auf dem ich nochmal alles rausholen wollte.
Genau da gebe ich dir was mit: Wenn du müde bist, wirst du nachlässig. Die Konzentration lässt nach, die Linie wird schlampig, und dann knallt es. Die meisten Verletzungen passieren nicht im ersten Run, sondern im letzten. Für Einsteiger ist der Frommestrail machbar, wenn du vom Gas gehst, Pausen einplanst und dir schwierige Stellen vorher anschaust.
Gut zu wissen
- Saison: Die Sommersaison der Bergbahnen lief 2026 vom 13. Juni bis 11. Oktober. Der Bikepark startet in der Regel ein paar Tage früher mit einem Pre-Opening an der Waldbahn. Die Termine für 2027 findest du auf bike-sfl.at.
- Bike-Transport: Der Radtransport mit den Bahnen in Serfaus-Fiss-Ladis ist kostenpflichtig. Ich war mit der Gravity Card unterwegs, check vor deinem Trip, welches Ticket für dich passt.
- Zirbentrail-Shuttle: Schönjochbahn ab Fiss, rüber zur Almbahn, dann Almbahn-Runden. Achte auf die letzte Bergfahrt der Almbahn.
- Frommestrail-Einstieg: Nicht am Fisser Joch, sondern rund 60 Höhenmeter weiter oben am Gipfelkreuz am Schönjöchl. Der Jochtrail daneben führt Richtung Serfaus.
- Familien: Pumptrack, Übungsgelände, Kids Park und Airbags an der Talstation der Waldbahn.
Serfaus-Fiss-Ladis hat einen sehr guten Bikepark, keine Frage. Aber was mich nach diesem Sommer wirklich gepackt hat, liegt weiter oben: der Zirbentrail mit seinen Kehren über dem Plateau, der naturbelassene Frommestrail und der Gedanke, auf einem uralten Meeresboden unterwegs zu sein. In unserer #MTBlife Folge S04E22 nehme ich dich mit auf beide Tage, mit Sturz, kaputter Datei, vier Zirbentrail-Runden und einem ehrlichen Wort über die letzten Meter.
Danke, dass du die ganze Bikepark-Saison dabei warst. Es kommen noch Live-Ausgaben und die Charts der Saison.
Real Ride. Real Talk. Real Life.
Published by Radical Life Studios / MTB Report
- Serfaus-Fiss-Ladis: Satt vom Park, gerettet vom Trail
- Orbea Wild LT gegen Santa Cruz Bullit: Wer baut hier eigentlich wen?
- Shimano E010: Neustart oder neuer Motor? So findest du es heraus
- Gewinnspiele bei den Radical Life Studios: So bist du dabei
- Blau ist nicht gleich Blau: Was Trailfarben wirklich bedeuten und warum dir die S-Skala mehr verrät
- Feuer bei Atherton Bikes: Was passiert ist und was diese Marke so besonders macht
- Zu schwer? Dann üben, nicht umbauen: Warum wir Trails nicht glattbügeln dürfen
- Focus streicht das Mountainbike ohne Motor | Stirbt das Einsteiger-Hardtail?
- Mehr Moped, weniger Bike? Honda und Ducati drängen in den E-MTB-Markt.
- Neue Fox-Gabel zum Schnäppchenpreis? Nach dem 400.000-Euro-Einbruch erst prüfen, dann zahlen
- #MTBlive aus dem Studio: Eure Fragen, Gewinnspiel & Ausblick auf Österreich
- Brandnertal: Die Bahn, die dein Bike in die eigene Kabine hängt












Bisher gibt es keine Kommentare!