Als ich die Schwalbe Nobby Nic Reifen auf meinem Santa Cruz Heckler montierte, war mein erster Eindruck eher enttäuschend. Der Wechsel von den Werkseinstellungen hin zu diesen neuen Pneus fühlte sich wie ein Rückschritt an. Besonders auf nassen Schotterpassagen und schlammigen Trails hatte ich große Schwierigkeiten. Das Bike wirkte unkontrollierbar, vor allem in weicheren, feuchten Abschnitten. Anstatt stabil geradeaus zu fahren, driftete das Rad in alle möglichen Richtungen. Auf dem Woodpecker Trail in Stuttgart fühlte ich mich plötzlich wie ein Anfänger – völlig überfordert mit der Situation. Der Schlamm forderte alles von mir, aber das Rad wollte einfach nicht tun, was es sollte. Erst als der Trail trockener wurde, begann es, ein wenig besser zu laufen. Nach der dritten Ausfahrt war ich so frustriert, dass ich die Reifen am liebsten mit dem Teppichmesser abmontiert hätte.

Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben. Stattdessen entschied ich mich, einen Trainingstag im Zugspitzgebiet einzulegen, um herauszufinden, ob das Problem an mir oder den Reifen lag. Mit Biberwier als Testgelände, das im Sommer als Bikepark dient, wollte ich verschiedene Untergründe ausprobieren und das Setup meines Bikes sowie den Reifendruck genauer unter die Lupe nehmen. Ich hatte außerdem einen Profi-Tipp im Hinterkopf: den optimalen Luftdruck zu finden und mein Dämpfersetup entsprechend anzupassen, um den Reifen ihr Potenzial zu entlocken. Insgesamt legte ich dabei 3.112 Höhenmeter zurück.

Nach einigen Experimenten stellte sich heraus, dass ich den Schwalbe Reifen möglicherweise Unrecht getan hatte. Ja, der Grip in den Kurven bleibt weiterhin ein Schwachpunkt – er ist nicht so intuitiv und verlässlich wie bei anderen Modellen. Aber es gibt auch Stärken, die den Nobby Nic durchaus zu einem ernstzunehmenden Kandidaten machen.

Bremskraft: Ein echter Überraschungsmoment

Besonders beeindruckend ist die Bremsleistung. Bereits auf meiner ersten Testfahrt hätte es mich fast über den Lenker gehauen, weil ich die Bremskraft völlig unterschätzt hatte. Nachdem ich den Luftdruck vorne auf ein Minimum abgesenkt hatte, sodass der Reifen gerade noch nicht durchschlug, veränderte sich das Fahrgefühl merklich. Am Marienbergtrail, der recht flowig ist und eine geringe Risikobereitschaft verlangt, erreichte ich eine der besten Zeiten, die ich je gefahren bin – und das mit einem Luftdruck von 1,38 Bar vorne und 1,56 Bar hinten. Es zeigte sich, dass der Nobby Nic durchaus Potenzial hat, wenn man bereit ist, etwas Zeit in das Feintuning zu investieren.

Doch es war nicht nur der Luftdruck, der das Fahrverhalten beeinflusste. Auch das Fahrwerk, insbesondere die Gabel, musste ich anpassen. Mit den Werksreifen war ich immer mit einer 3/4-offenen Gabel unterwegs, aber bei den Schwalbe Reifen entschied ich mich, die Gabel komplett offen zu lassen und den Druck minimal zu erhöhen. Dadurch wurde das Handling zwar anstrengender, aber die Kontrolle auf rauen Passagen verbesserte sich deutlich. Das Fazit: Die Nobby Nic müssen extrem aggressiv gefahren werden, um ihre volle Leistung zu entfalten – im Vergleich zu den entspannteren Maxxis-Reifen erfordert der Schwalbe deutlich mehr Körpereinsatz und Konzentration.

Maxxis vs. Schwalbe: Ein ganz anderer Fahrstil

Im direkten Vergleich zu den Maxxis-Reifen, mit denen man Trails fast schon gemütlich hinunterrollen kann, fordern die Nobby Nic deine volle Aufmerksamkeit. Du kannst nicht einfach in eine Kurve gleiten, du musst sie aktiv fahren und das Bike mit vollem Körpereinsatz steuern. Aber genau dieser Aspekt machte mir von Fahrt zu Fahrt mehr Spaß. Es gibt eine gewisse Genugtuung, wenn man merkt, wie man die Kontrolle behält und die Abfahrten trotz der höheren technischen Anforderungen meistert.

Die Bremseigenschaften der Schwalbe Reifen retteten mich dabei mehr als einmal vor einem Abflug. Auf demselben Trail, auf dem ich mit den Werkseinstellungen nie an meine Grenzen gekommen war, forderten mich die Nobby Nic heraus. Doch dieser Adrenalinkick brachte auch eine Menge Fahrspaß mit sich.

Fazit: Nobby Nic – Reifen für Anspruchsvolle

Nach Tagen intensiver Tests kann ich noch nicht endgültig sagen, welche Reifen ich in Zukunft bevorzuge. Der Nobby Nic erfordert mehr technische Präzision und Anpassungen im Setup, belohnt aber mit beeindruckender Bremskraft und einem anstrengenderen, aber spannenderen Fahrstil. In den Kurven kann er mit den Maxxis zwar nicht ganz mithalten, aber für Fahrer, die eine Herausforderung suchen und sich gerne an ihre Grenzen bringen, ist der Nobby Nic definitiv eine interessante Wahl.

Eins steht fest: Ich werde mich weiterhin mit der Feineinstellung meines Bikes und des Reifendrucks beschäftigen. Die Schwalbe Nobby Nic werden vorerst auf meinem Heckler bleiben – und vielleicht verstehe ich jetzt auch besser, warum so mancher Profi auf diese Reifen schwört.

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