Im Winter fühlt sich alles anders an.
Nicht nur der Trail – auch ich selbst.
Ich fahre das ganze Jahr Mountainbike. Doch der Winter ist keine Verlängerung des Sommers. Er ist ein eigener Zustand. Nass. Kalt. Unberechenbar. Und genau deshalb ist er für mich die wichtigste Zeit, um zu lernen.
Wenn ich einen Trail zum ersten Mal fahre, fahre ich ihn nicht wirklich. Ich checke ihn. Rolle hinein, ohne Spielereien, ohne Druck. Besonders im Winter. Der Boden flüstert nur, was er vorhat. Wer nicht zuhört, zahlt später.
Am Hirschtrail bei der Burg Teck, nahe Bissingen, ist das besonders spürbar. Ein Trail, der bei Nässe nichts verzeiht. Also schaue ich hin. Lese Linien. Merke mir Stellen. Nicht um schneller zu werden – sondern um sicherer zu sein.
Kennt man einen Trail, beginnt ein anderer Prozess. Dann geht es nicht mehr um das Gelände, sondern um das eigene Gefühl. In Biberwier in Österreich habe ich das besonders stark erlebt. Mit jeder Fahrt wächst das Vertrauen. Nicht sprunghaft, sondern langsam. Schritt für Schritt.
Und irgendwann kommt es zum Sturz.
Meist kontrolliert. Manchmal nicht.
Was viele übersehen: Bevor man Sprünge angeht, bevor man Tempo macht, sollte man wissen, wie man fällt. Das lernt man nicht aus Videos. Nur durch Erfahrung. In sicheren Bereichen. Mit Schutz. Und mit Respekt.
Jeder Sturz ist gefährlich. Deshalb ist Schutzausrüstung keine Option, sondern Pflicht.
Mit den Jahren wurde mir klar: Mein größtes Risiko ist nicht der Trail. Es ist mein Körper. Meine Unbeweglichkeit. Steife Schultern, eingeschränkte Hüften – Dinge, die lange funktionieren, bis sie es nicht mehr tun.
Deshalb nutze ich die Off-Season für genau das. Beweglichkeit. Stabilität. Körpergefühl. Im Winter will ich weniger stürzen, nicht mehr. Denn nasser Untergrund verzeiht weniger als trockener.
Früher wollte ich schneller besser werden. Heute will ich ehrlicher fahren. Ohne Jagd. Ohne Vergleich. Ohne Druck.
Fehler gehören dazu. Nicht als Rückschritt – sondern als Teil des Weges.
Ich habe nie aufgehört, Fehler zu machen. Und das ist gut so.
Denn Fehler sind nicht das Gegenteil von Können.
Sie sind Teil davon.
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